Nur kein Übermut
Heute also die letzte Sitzung. Die Abschiedsrede von Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering erfüllt mich mit etwas Wehmut. Auch mein blauer Parlamentsitz mit der Nummer 566 kommt mir auf einmal schöner und bequemer vor als er wirklich ist. Immerhin haben wir, wenn die Umfragen stimmen, gute Chancen, auch nach dem 7. Juni 2009 wieder als FDP-Gruppe liberale Akzente in Europa einbringen zu können. Aber man weiß ja nie! Zu viel Übermut ist selten gut: „Vor dem Erfolg haben die Götter den Schweiß“ gesetzt, heißt ein altes, griechisches Sprichwort.
Europawahlkampf ist anders als Bundestagswahlkampf
Und in der Tat: wie ein altes Zirkuspferd, das eigentlich gar nicht mehr in die Manege will, kommt die Freude auf den Auftritt erst mit dem Ertönen der Kapelle. Sprich, ich komme langsam in Wahlkampflaune: Ich will es noch mal wissen! Wir alle wissen dabei, dass der Europawahlkampf anderen Gesetzen als der Bundestagswahlkampf folgt. Zunächst einmal geht´s einfach darum, Aufklärungarbeit zu leisten. Zum einen über die mittlerweile wirklich umfassende Zuständigkeit Europas und unseres Parlaments, zum andere über die kollegiale Arbeitsweise dieses Hauses, das eben keine Regierung stützen oder stürzen will und sich deshalb echter, effizienter Sacharbeit widmen kann, ohne sich in reiner Oppsitionsarbeit zu zerreiben.
Kompetenz ist Trumph!Gerade wenn Wahlen anstehen geht es darum, deutlich zu machen, dass man als Parlamentarier etwas geleistet hat. Die ersten Diskussionen haben schon stattgefunden und ich merke persönlich auch einen Unterschied im Vergleich zum letzen Wahlkampf, als ich noch Kandidat der FDP war: Als Mitglied des Parlaments wird man von den Moderatoren aber auch von den Teilnehmern merklich anders behandelt, grundsätzlich mit mehr Respekt. Außerdem macht es etwas aus, in einer Diskussion auf einen Fundus an Wissen und Erfahrung zurückgreifen zu können: Kompetenz ist Trumph.
Europa, wir kommen zurück!
Daran denke ich, während ich im Straßburger Parlamentsgebäude meine Sachen zusammen packe. Ein letzter Blick ins Emailfach, um zwischen rund 30 Spam-Emails die wichtige Mail herauszufischen, auf die ich warte. Dann gehe ich mit meiner Assistentin schwerbepackt durch das Flurlabyrinth aus dem Sitzungsgebäude. Die französischen Sicherheitsmänner am Ausgang sind wie immer freundlich und wünschen ein letztes „Bon soir, Monsieur.“ Draußen drehe ich mich um und schaue auf die Fahnenreihe auf der rechten Seite. Auf dem sechsten Fahnenmast weht die deutsche Flagge, nicht weit entfernt von den zwölf europäischen Sternen. So muss es sein und so wird es wieder sein: Europa, wir kommen zurück!
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